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Die Seefahrt Teil 1
Unglaubliches geschah gestern Abend, als ich mit meinem Bike erhitzt und schweissgebadet in Richtung Meisterschwanden fuhr. Schon von weitem sah ich auf der gut übersehbaren Strecke einen Velofahrer entgegenkommen. Beim Näherkommen entpuppte sich dieser Velofahrer als Fahrerin, und was für eine: Hautenges Velobody, drüber einen mint-grünen String-Tanga, knackig wohlgeformte Schenkel und auch sonst Rundungen, die mich die Anstrengungen der letzten Kilometer sofort vergessen liessen. Glücklicherweise hatte ich meine RayBan-Sonnenbrille auf ,was Frauen immer schwach werden lässt. Als wir noch etwa 25 Meter voneinander entfernt waren hielt sie plötzlich ruckartig an und werkelte umständlich an ihrem Bike rum. Blitzschnell überlegte ich ob ich anhalten und ihr meine Dienste anbieten oder einfach weiterfahren sollte. Natürlich entschied ich mich für erstere Möglichkeit... Als ich neben ihr zum Halten kam, blickte sie auf und zog ihre Sonnenbrille vom Gesicht. Die Augen, die mich anblickten, waren so blau wie ihre Stringhöschen grün waren! Das überaus bezaubernde Gesicht brauchte den Vergleich zu einer Cindy Crawford oder zu einem anderen aktuellen Modell nicht zu scheuen. Und die Figur war, wie zuvor die Schenkel schon vermuten liessen, von einer Vollkommenheit, wie man sie sonst nur im Kino oder Fernsehen zu sehen kriegt, wenn überhaupt. Natürlich war ich einen Augenblick etwas aus der Fassung geraten. Ein Wunder das meine Brille nicht anlief und dies auch nur, weil die RayBan-Sonnengläser in einem aufwendigen chemisch technischen Verfahren gegen Anlaufen behandelt werden, aber das ist eine andere Geschichte... Jedenfalls brauchte ich einige Sekunden, um mit der Situation klarzukommen, was von ihr mit einem hinreissenden Lächeln belohnt wurde. Aha, sie war anscheinend nicht eine von der arrogant - hochnäsigen Sorte, denen mal lieber aus dem Weg geht. Auch ich zog nun meine Brille von den Augen und schenkte ihr meinerseits das, wie ich hoffte, verführerischste Lächeln das ich zustande brachte. "Hallo! Probleme?" keine grosse Anmache von mir, aber diese Worte waren das einzige was ich im Moment sagen konnte. Sie schien sich daran jedoch nicht im geringsten zu stören, sondern erklärte mir mit einer erotischen Stimme, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte, dass irgendwas mit der Schaltung nicht in Ordnung sei. Schon die ganze Zeit höre sie so kratzende Geräusche vom vorderen Zahnkranz. Sie wisse nicht, ob sie so überhaupt noch nach Hause käme. Fachmännisch beugte ich mich über den besorgniserregend kratzenden Kettenkranz und hatte den Fehler auch schon entdeckt: Die Stellschraube des vorderen Wechslers, übrigens kein billiges LX-Modell eines japanischen Herstellers, mit welcher die Endpositionen der Kette justiert werden kann, war ganz eindeutig verstellt. Auch sie wollte nun natürlich sehen was da so für komische Geräusche gesorgt hatte und beugte sich ebenfalls über ihr Bike. Dabei streifte ihr feines, langes, blondes Haar mein Gesicht was mir eine wohlige Gänsehaut den Rücken runterkribbeln lies. Interessiert lauschte sie meinen technischen Erklärungen und hatte anscheinend grossen Spass daran mir zuzuhören. Als ich dann zum Punkt des nun nötigen Schraubenziehers kam, lachte sie siegreich auf, ihre Augen blitzen. Sie kramte in ihrem Velotäschchen und holte triumphierend ein Multispezial-Klappwerkzeug ans Tageslicht. Das Einstellen der Stellschraube war nun ein leichtes und innert Minutenfrist erledigt. Die Kette schnurrte wieder zufrieden um den Kranz ohne an irgendwelchen Metallteilen zu streifen. Bescheiden wie ich bin, wollte ich mich mit den besten Empfehlungen wieder verabschieden, was bei ihr gar nicht auf Gegenliebe stiess. So könne sie mich doch nicht gehenlassen, Sie stehe doch nun in meiner Schuld, ob ich nicht noch schnell auf einen Sprung und einen Eistee bei ihr vorbeikommen möchte. Natürlich vermochte ich so einem verführerischen Angebot nicht zu trotzen. Sie fühlte mein Glas noch einmal und fragte mich dabei beiläufig, ob ich denn nicht rasch unter die Dusche springen wolle. Der restliche Weg auf dem Bike würde mir erfrischt bestimmt leichter fallen. Ich druckste etwas herum, dass sei doch nicht nötig, da der Eistee ja schon erfrische und so, aber davon wollte sie partout nichts wissen. Ich würde mich womöglich so erhitzt noch erkälten und schliesslich sei sie ja schon ein bisschen für mich verantwortlich, da ich ja wegen ihr die ganzen Unannehmlichkeiten in Kauf genommen hätte. Was blieb mir bei solchen Argumenten noch anderes übrig, als mich geschlagen zu geben, nicht unbedingt gegen meinen Willen, muss ich sagen... Ich trank also noch mein Glas leer, nicht unbedingt so schnell wie das erste, da ich ja noch eine wenig ihren nackten Bauch bestaunen wollte, danach führte sie mich in das kleine hübsche Badezimmer.
Die Seefahrt Teil 2
Sie reichte mir ein neues Handtuch, Duschgel und Shampoo und meinte ich soll mich wie zu Hause fühlen. Wenn ich was brauche, soll ich ungeniert nach ihr rufen, sie sei in der Küche gleich nebenan, Abwasch und so. Wie ich das "ich soll mich wie zu Hause fühlen" auffassen sollte wusste ich nicht recht, aber da ich nun schon mal im Badezimmer stand... Verstohlen schaute ich um die Ecke um zu sehen, ob sie von der Küche her ins Badezimmer sehen konnte. Glück gehabt, die Dusche war nicht in ihrem Blickfeld. Rasch entledigte ich mich meiner Bike-Hose, T-Shirt und der Unterwäsche und schlüpfte in die Duschkabine. Es war eine dieser modernen Dinger mit gläsernen Schiebetüren. Auch die Mischbatterie war neuesten Typs und bot vielerlei Einstellmöglichkeiten. Ich überlegte nicht lange stellte auf "COLD" und lies die Brause sprühen. Durch die Fahrt mit dem Fahrrad und der anschliessenden "Nabelschau" war mein Körper wohl etwas sehr erhitzt, so dass mich die "COLD"-Einstellung wie ein Blitz traf! Das Wasser musste wohl gerade so warm sein, dass es nicht als Eisspaghetti durch die Brause kam, ein Schrei war deshalb nicht zu vermeiden. Wie wild fuchtelte ich an der Mischbatterie herum aber irgendwie wollte diese die "COLD"-Einstellung so wie sie war und abstellen war auch nicht drin. Natürlich hatten meine unbeabsichtigten Aktivitäten auch ihre Aufmerksamkeit geweckt da ja die Wohnung eh nicht so weitläufig war, trotz der gelungenen Innenarchitektur. Schon riss sie die Duschtür auf um mir beim Abstellen der wilden Dusche zu helfen, dass ich dabei ja völlig nackt war schien sie nicht im geringsten zu stören. Durch die Wassermassen hindurch brüllte sie mir zu, dass ihr das auch schon passiert sei. Die verfluchte Mischbatterie sei ein Prototyp und habe manchmal so ihre Macken. Gemeinsam fingerten wir an den Hebeln und Rädchen herum, aber das Ding zeigte sich völlig desinteressiert. In diesem Durcheinander, bei dem natürlich auch sie nicht trocken geblieben war, fiel mein Blick zufällig auf ihr Top.Durch das eiskalte Wasser war der ohnehin schon erschreckend dünne Stoff ihres knappen Oberteils völlig durchnässt und somit ziemlich transparent geworden. Ein Anblick der mich nicht unberührt lies. Zudem war durch die wilden Manipulationen am Wasserhahn die eine Seite ihres Tops hochgerutscht, was ein klares Denken langsam verunmöglichte. Inzwischen war schon das halbe Badezimmer unter Wasser und sie meinte, wir müssten die verdammte Duschkabinentüre schliessen. Kaum gesagt war sie auch schon bei mir drinnen und machte die Türe zu, damit das Wasser nicht noch grösseren Schaden anrichten konnte. Da ja solche Kabinen nicht unbedingt für zwei Personen konzipiert sind, wurde es doch ziemlich eng, und trotz des kalten Wassers wurde mir immer heisser. Sie hantierte jedoch immer noch ungebrochenen Mutes an den Hebeln herum, um endlich die Dusche wieder unter Kontrolle zu bringen. Inzwischen hatte sie schon am ganzen Körper Hühnerhaut, was in dieser speziellen Situation äusserst erotisch wirkte. Und plötzlich, mir schien das Wasser verlor langsam seine Eisigkeit, setzte sie ein triumphierendes Lächeln auf. Es war ihr gelungen, die Temperatur wieder auf angenehme Werte einzustellen. Mit Abstellen war noch nichts. Gerade wollte sie sich bei mir für ihre dumme Dusche entschuldigen, als ihr anscheinend die pikante Situation, in der wir uns befanden, erst bewusst wurde. Die Röte stieg in ihr hübsches Gesicht und sie war anscheinend irgendwie sprachlos. Da ich bisher auch noch nicht mit einer ähnlichen Sache konfrontiert worden war, fielen mir auch keine passenden Worte ein. Als ich immer noch krampfhaft nach ein paar Worten suchte, rettete sie die Situation. Sie meinte nämlich, wenn wir nun schon zusammen in der Dusche ständen und ohnehin so viel Wasser verschwendet hätten, könnten wir auch gleich zusammen duschen. Dagegen war selbstverständlich nichts einzuwenden, da man ja auch die umweltspezifischen Aspekte nicht ausser Acht lassen durfte. Kurzerhand entledigte sie sich ihrer 501 und machte sich daran das Oberteil über den Kopf zu ziehen. Da aber das Ding eh schon verdammt knapp und eng geschnitten und nun auch noch nass war, kam sie auf halber Strecke weder vor noch zurück. Etwas ratlos stand ich, immer noch nackend natürlich, neben ihr und wusste nicht recht, was ich nun am besten unternehmen sollte. Aber schon kam sie mir wieder zuvor indem sie schmunzelnd durch das Hemdchen meinte, ob ich ihr nicht schnell behilflich sein könne, sie stecke nämlich irgendwie fest. Ich wusste nicht recht, wo anfassen und entschied mich automatisch für den Zipfel der nicht über ihre linke Brust rutschen wollte. Nach einiger Mühe gelang es mir dann, mit begreiflicherweise ziemlich zittrigen Fingern, das nasse Ding über ihre beträchtliche Oberweite zu zerren. Sie stand nun , abgesehen vom winzigen Slip, ebenfalls wie Gott sie geschaffen hatte, vor mir. Doch auch den Slip streifte sie mit einer schlangenähnlichen Bewegung noch ab, denn wer duscht schon gerne in Unterwäsche. So standen wir uns nun keine zehn Zentimeter entfernt in der engen Kabine gegenüber und sie schenkte mir ein Lächeln, dass ich am liebsten wieder auf "COLD" gestellt hätte, denn langsam begann ich die Kontrolle über mich zu verlieren. Wem ginge das wohl nicht so. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich mit einer Traumfrau in der Dusche stand, von der ich nicht mal den Vornamen wusste, unglaublich! Ich fragte sie also danach, froh irgend etwas sagen zu können. Sie lachte ihr süsses Lachen und wunderte sich auch darüber, dass wir uns noch gar nicht vorgestellt hätten. Aber heute sei eh kein normaler Tag, schliesslich sei sie am Morgen auf dem Boden statt im Bett aufgewacht, und während dem Schlafen aus dem Bett zu fallen und dies nicht mal zu merken, also dass sei ihr noch nie passiert. Sandra heisse sie, und wer ich denn sei, und ob ich ihr vielleicht den Rücken kurz einseifen könne. Während sie mir ihr süsse Rückseite zuwendete, erzählte sie mir ein wenig über sich: Sie mache eine zusätzliche Ausbildung in einem Architekturbüro in Zug (daher also die geschmackvolle Wohnung), habe aber eigentlich Kindergärtnerin gelernt und wolle nach der Zeit in Zug auch wieder in ihren ursprünglichen Beruf zurückkehren. Die Architekturausbildung könne sie aber für Arbeiten, die sie mit nach Hause nehmen könne, nutzen. Und zwei Standbeine seien ja immer gut. Ich war inzwischen mit meinen Einschäumungen im unteren Bereich ihres Rückens angelangt und überlegte gerade, ob ich wohl noch etwas weiter runter dürfte, als die Türklingel schrillte. Sie hielt mit ihren Erzählungen inne und meinte überrascht, dass sie niemanden erwarte. Ich malte mir schon in den schönsten Farben aus, dass wohl nun ihr Freund in der Türe stehen würde, denn so eine Frau musste ja wohl zwangsläufig einen Freund oder Mann haben. Wahrscheinlich würde er mit einem Fleischermesser über sie und mich herfallen und alles niedermetzeln was es zu metzeln gab. Sie schlüpfte aus der Duschkabine wickelte sich das nächstbeste Handtuch um die Taille und ging zur Haustüre.
Die Seefahrt Teil 3 Mir wurde ganz mulmig, denn schliesslich hat man schon genug Filme gesehen, um zu wissen, wie solche Geschichten ausgehen können. Seit sie aus der Dusche gestiegen war hatte ich noch mal versucht, die verdammte Brause zuzudrehen und siehe da, endlich versiegte der Wasserstrahl. Ich horchte angespannt zur Türe, die sie in diesem Augenblick aufschloss. Da ich anscheinend noch etlichen Schaum und Wasser in den Ohren hatte, konnte ich nicht hören, wer der Fremde an der Türe war. Das Gespräch hörte sich jedoch, aus dem Tonfall von Sandra zu schliessen, nicht gerade freundlich an. Ich schob die Kabinentüre einen Spalt auf um nach dem Badetuch zu greifen, das gegenüber an der Stange hing, hatte es auch schon in der Hand, als ich buchstäblich den Boden unter den Füssen verlor. Durch unser Eingeseife war dieser natürlich spiegelglatt geworden und bot überhaupt keinen Halt. Verzweifelt versucht ich mich irgendwo festzuhalten, aber wo will man sich in einer Duschkabine mit Glasschiebetüren festhalten? Ich spürte einen stechenden Schmerz am Kopf und dann nichts mehr. Ich war völlig perplex. Und erst jetzt merkte ich, dass ich noch halb in der Dusche, halb auf dem Badezimmer-Boden lag, auf dem sich ein wunderschöner See aus Wasser, Schaum und Badezimmer-Utensilien ausgebreitet hatte. Langsam wurde mir bewusst, dass ich wohl schnell ins Land der Träume gefallen war, buchstäblich. Und jetzt merkte ich auch, dass Sandra anscheinend mit mir sprach, ich verstand aber kein Wort, als hätte ich Pfropfen in den Ohren. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu beurteilen war sie aber äusserst besorgt. Ich schüttelte den Kopf, was mit einem unangenehmen Schmerz belohnt wurde, dafür war endlich das Wasser aus meinen Trommelfellen gewichen. Ich hörte gerade noch wie sie meinte, dass heute wohl nicht so unser Tag sei und ob ich denn aufstehen könne. Mühsam versuchte ich mich aufzurichten. Anscheinend war nichts gebrochen oder verstaucht, und ausser meinem Kopf hatte nichts was abbekommen. Es muss wahrlich ein erhebendes Bild gewesen sein, wie wir beide ohne Kleider am Leib das überflutete Badezimmer verliessen, sie mich ächzend stützend, um im Wohnzimmer erschöpft auf das Sofa zu plumpsen. Plötzlich erinnerte ich mich wieder an den Besuch von vorhin und ich schaute mich im Zimmer um. Ausser uns war niemand zu sehen. Sie schien meine Gedanken zu lesen, denn sie meinte gerade, dass das vor meinem Ausrutscher die Nachbarin von unten gewesen sei. Bei dieser tropfe nämlich unser Badewasser auf den teuren Fernseher. Ich solle mich doch ein wenig hinlegen, in der Zwischenzeit könne sie das Badezimmer trockenlegen, und sie würde mir auch gleich eines ihrer T-Shirts bringen. Sie sprang auf und eilte in ihr Schlafzimmer, was mir wieder einen Anblick verschaffte der mich alle Schmerzen vergessen lies. Als sie nach einer Minute wieder zurückkam, hatte sie leider ebenfalls ein Shirt angezogen, was jedoch unanständig kurz war. Als sie aufreizend hüftschwingend auf mich zukam, ging mir der Gedanke durch den Kopf, der mich schon lange beschäftigte. Wie weit durfte ich bei ihr gehen? War sie wirklich so jugendlich offen in ihrer Art, oder steckte da eiskaltes Kalkül dahinter? War ihre dritte Berufung das Abschleppen von Männern, oder war ich ihr vielleicht wirklich sympathisch? Wir kannten uns kaum eine Stunde, doch sie schien sich in meiner Gegenwart weder zu genieren noch in irgendeiner Art unwohl zu fühlen.
Die Seefahrt Teil 4
Sie reichte mir ein froschgrünes Shirt mit der originellen Aufschrift "SAVE THE FROGS", dass ich mir sogleich überstreifte, dann holte sie aus einem Schrank Eimer und Putzlappen um die Schweinerei im Badezimmer aufzuwischen. Inzwischen hatte draussen die Dämmerung eingesetzt und plötzlich wurde mir bewusst, dass ich ja mit dem Mountain-Bike unterwegs war, dass natürlich weder über Licht noch Rückstrahler verfügte. Und die Strasse von Fahrwangen Richtung Wynental war nicht gerade ungefährlich, da sich selten jemand an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hielt. Ich schaute auf meine Uhr: 20:45. Tatsächlich zu spät, um noch bei Tageslicht daheim anzukommen, mit meinem Brummschädel sowieso nicht. Vielleicht konnte sie mich mit ihrem Auto heimbringen? Oder sollte ich einen Kollegen anrufen? Aber da würden bestimmt wieder dumme Sprüche geklopft werden, wenn mich jemand hier abholen müsste. Im Badezimmer schepperte der Putzeimer und ich stand auf, um sie zu fragen, ob sie Taxi spielen wolle. Sie wrang gerade den vollgesogenen Lappen über dem altmodischen Blecheimer aus, als ich neben sie trat. Süss sah sie aus, wie sie mit ihrem Minishirt am Boden kniete, dass noch feuchte Haar klebte in ihrem ausdrucksvollen Gesicht. Ich war mir gar nicht mehr so sicher, ob ich wirklich heim wollte. Aber nur so schnell für eine Nacht und dann Tschüss, dazu bin ich nicht der Typ. Irgendwie wusste ich generell nicht recht, wie ich mit dieser Situation umzugehen hatte. Denn wann trifft man schon so ein Traumgirl, wird von ihr in ihre Wohnung eingeladen und zu guter Letzt steht man dann auch noch gemeinsam, wenn auch mit etlichen Zwischenfällen, unter der Dusche. Sie schüttete den Inhalt ihres Eimers ins Klo und bemerkte dass ich in der Türe stand . Ja ob ich mich denn nicht hinlegen wolle? Sie komme hier schon zurecht und es sei ja sowieso ihre Schuld gewesen mit der Überschwemmung. Ich kniete mich neben sie, nahm den anderen Putzlappen aus dem Eimer begann ihr zu helfen und sagte ihr, es wäre mir überhaupt nicht recht, was sie alles für Umtriebe wegen mir habe. Und nun komme noch dazu, dass ich nicht wisse, wie ich am besten wieder heimkäme, ohne Licht und so, und ob nicht vielleicht sie mich mit dem Auto rasch heim bringen könne. Stirnrunzelnd schaute sie mich an und sagte, sie habe gar kein Auto mit dem sie mich nach Hause bringen könne. Sie fahre immer mit dem Bus zur Arbeit und besitze ansonsten nur ihr Fahrrad, dass aber auch kein Licht habe. Aber es werde ja am Morgen sehr früh hell, darum solle ich doch hier bei ihr bleiben, sie beisse schon nicht. Schade hätte ich fast gesagt. Dass waren ja tolle Aussichten, im wahrsten Sinne des Wortes. Nur wie sollte man eine Nacht mit so einem Rasseweib unbeschadet überstehen? Ob ich denn vom Velofahren nicht Hunger bekommen hätte? Sie jedenfalls schon. Sie mache einen Salat mit allem drum und dran, da würde ich doch sicher auch ein Häppchen essen, oder? Natürlich sagte ich da nicht nein, denn tatsächlich hatte auch ich einen Bärenhunger (keine voreiligen Schlüsse ziehen). Wir gingen gemeinsam in die Küche und ich half ihr denn Salat zu rüsten. Bei dieser Gelegenheit konnte ich sie unauffällig aus der Nähe noch einmal genau betrachten: Sie musste etwa eins siebzig gross sein, ihr nun trockenes, fein gewelltes Haar reichte ihr bis etwa Mitte Rücken. Die ausdrucksstarken, sinnlichen Augen habe ich schon erwähnt aber ihre kleine, feine Nase noch nicht. Sie war wirklich genau das, was man sich unter einer Traumfrau vorzustellen hatte, Klischee hin oder her. Dazu kam noch ihre ungeheure Ungezwungenheit, die es einem leicht machte, auch gelöster zu sein. Leider war der Salat schon bald fertig angerichtet und sie machte sich an die Sauce und die übrigen Zutaten. Ich erbot mich, den Tisch zu decken, und sie meinte wir könnten ja auf dem Balkon essen, es sei bestimmt noch warm genug draussen.
5er Teil
Ich packte also Gläser, Teller, Besteck und was sonst noch zu einem Gedeck so dazugehört auf ein Tablett und ging auf den Balkon. Dieser war durch eine Türe in der einen Ecke mit ihrem Wohnzimmer verbunden und bot einen wunderschönen Blick auf das traumhafte Abendrot. Ich deckte ganz in Gedanken versunken den kleinen Tisch als ich plötzlich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Ich drehte mich erschrocken um und blickte direkt in ihr vom Abendrot verzaubertes Gesicht. Sie stand auf die Zehenspitzen und gab mir einen zarten Kuss mitten auf den Mund. Ich war wie vom Blitz getroffen. Ich spürte ihre vollen, zarten Lippen noch auf den meinen als sie schon wieder weg waren. Fast hätte ich den Teller, den ich noch in den Händen hielt, fallen gelassen. Ich hatte zwar schon etliche Frauen geküsst, aber so ein intensives Gefühl, wie gerade eben, hatte ich bei einem Kuss noch nie gespürt. Der sei für meine Hilfe heute Abend gewesen, und auch einfach so, meinte sie beiläufig und ging wieder in die Küche. Ich stand immer noch ganz verwirrt mit meinem Teller auf dem Balkon, legte ihn auf seinen Platz und setzte mich auf einen Stuhl. Die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich. Hatte ich mich denn etwa verliebt? Auf den ersten Kuss sozusagen? Ich kannte sie ja wirklich kaum, aber ihre besondere Art machte sie mir irgendwie vertrauter, so als ob ich sie schon viel länger kennen würde. Natürlich sie war äusserst hübsch, aber es gab viele hübsche Frauen, die man aber eine Minute später schon fast wieder vergessen hatte. Doch sie konnte ich wohl nie wieder vergessen.
Ich sass immer noch etwas entgleist auf meinem Stuhl, als sie mit dem Salat, Brot, Käse, einer kleinen Flasche Wein, und was sonst noch zu einem gemütlichen Abendessen an einem lauen Sommerabend gehört, auf den Balkon trat. Das letzte blutrote Licht lies ihr Haar wie Gold leuchten und ich musste meinen Blick abwenden, um sie nicht sofort an mich zu reissen. Sie stellte alles auf den kleinen Tisch und setzte sich gegenüber. "Etwas Wein? Ist zwar nur ein Chianti, aber ich mag etwas herbe Landweine". Ich konnte nur nicken und versuchte zu lächeln, was mir wohl so ziemlich misslang. Wie konnte ich jetzt an essen und trinken denken, bei diesem Gegenüber. Und plötzlich schossen mir die verrücktesten Gedanken durch den Kopf. Irgendwie kam mir die ganze Sache auf einmal so unwirklich, so durchgeprobt vor. Hätte ich vermutlich besser nicht angehalten um ihr zu helfen? Was, wenn sie nun irgendetwas im Schilde führte? Nicht irgendeine Abschlepptour, was bei mir ja auch kaum für so eine Frau in Frage kam, sondern etwas anderes. War die ganze Panne geplant gewesen? Schliesslich konnte man die Strecke, an der ich ihr zu Hilfe gekommen war, auf gut zwei Kilometer überblicken, und es wäre ein Leichtes, einer Person, vor allem einer auf einem Fahrrad eine Falle zu stellen. Und welcher Mann würde bei ihr nicht anhalten und seine Hilfe anbieten? Nur was die Falle bezwecken sollte, war mir überhaupt nicht klar. Ich spürte, wie meine Handflächen feucht wurden und mein Herz so laut zu schlagen schien, wie eine Stanzmaschine. Hatte sie es auf mein Geld abgesehen? Doch woher sollte sie wissen, ob ich überhaupt genügend Geld besass um eine solche Aktion lohnend zu machen? Vielleicht waren ja auch gar keine finanziellen Interessen das Motiv? Vielleicht waren die Beweggründe ganz anderer Art? Hörte man nicht immer mehr von Frauen, die sich an der Männerwelt rächen, um ein ihnen beigebrachtes Unrecht zu sühnen? Konnte man das einem Menschen, den man erst sehr kurze Zeit kannte ansehen? Kaum. Alle diese obskuren Gedanken waren mir in Sekundenbruchteilen durch den Kopf geschossen. Ich betrachtete ihre muskulösen aber dennoch feingliedrigen Arme beim Wein einschenken und fragte mich, zu was diese noch imstande wären. Konnten sie jemanden verletzten, ja gar umbringen? Konnten sie ein Messer in eine Brust stossen oder einen Abzug bedienen? Mir wurde immer mulmiger in der Magengegend und zu allem Überfluss wurde mir noch bewusst, dass kein Mensch wusste, wo ich war. Ich hatte niemandem von meiner kleinen Biketour erzählt, niemand würde mich bis morgen vermissen. Und im Büro würde man sich erst nach neun Uhr fragen, wo ich bliebe, wenn überhaupt. Verdammt, wo war ich da nur rein geschlittert? Oder stellte mir meine blühende Phantasie eine Falle? Vielleicht, aber warum sollte eine solche Frau einen solch durchschnittlichen Typen, wie mich zu sich einladen, mit ihm duschen, ihn bei sich übernachten lassen? Nur weil er an einer Schraube gedreht hatte? Ich wurde nicht ganz klug aus der Sache und wollte auf jeden Fall wachsam und auf der Hut sein. Schliesslich musste ich nicht für Dinge büssen, die andere Männer verbrochen hatten. Inzwischen hatte sie uns beiden Salat geschöpft und sie reichte mir die Käseplatte. Ich wollte gerade ein paar Stücke abschneiden und mein Messer zur Hand nehmen, als ich plötzlich eines keine zehn Zentimeter vor meinen Augen sah. "Nehmen sie doch dieses, geht viel besser als mit den Normalen. Die sind einfach zu stumpf". Neben der blanken, spitzen Schneide blickte ich in ihre Augen und nahm mit etwas zittrigen Fingern das Messer entgegen. Sie lächelte kurz und machte sich dann daran ein Ei zu schälen. Tat ich ihr Unrecht oder war sie so gerissen, dass ich das nur denken sollte? Ich war der ganzen Mutmassungen satt und schüttelte, ungläubig über meine eigenen Phantasiegebilde, den Kopf. "Ist was nicht in Ordnung? Etwa der Käse? Den habe ich zwar erst gestern gekauft, aber ich habe leider vergessen, ihn sofort in den Kühlschrank zu stellen. Oh, das tut mir so leid...". Sie wollte soeben aufstehen und vermutlich den Käse entsorgen, den ja gar keine Schuld traf. "Nein, nein...alles in Ordnung. Der Käse ist phantastisch, ich hab mich nur eben gerade über mich selber geärgert, weil ich keine Beleuchtung für das Fahrrad mitgenommen habe und ihnen nun solche Umstände bereite". Wie konnte ich doch charmant sein, wenn sich auch ein kleine Lüge dahinter verbarg. Die meisten Frauen legen heute keinen Wert mehr auf diese wohl etwas antiquierte Eigenschaft oder bemerken sie gar nicht. Ganz anders sie: Sie lächelte scheu und wurde sogar ein wenig rot, genau konnte ich das jedoch im diffusen Licht nicht erkennen. "Seien sie doch nicht so bescheiden. Schliesslich wäre ich ohne sie wahrscheinlich noch gar nicht zu Hause, sondern immer noch am Schieben". Wir lachten beide und prosteten einander zu.
Das übrige Nachtessen verlief ohne weitere Vorkommnisse und wir lachten oft und ausgiebig über die verschiedensten Dinge. Teils wohl etwas aus Verlegenheit und zum anderen, weil wir uns wirklich gut verstanden. Wenn da nur nicht immer dieser dumme Hintergedanke in meinem Hirn herum gespukt wäre. Später trugen wir das Geschirr in die Küche. Es war inzwischen dunkel geworden und vom Balkon her konnte ich tausend Sterne funkeln sehn. Ich war gerade in den wundervollen Anblick vertieft, als sie zu mir trat und meinem Blick folgte. "Wunderbar, nicht wahr? Ich liebe diese klaren, warmen Sommernächte. Schade, ist es nicht immer so. Der Winter könnte für mich ausbleiben". Ich stimmt ihr zu und gemeinsam betrachteten wir die unzähligen, glitzernden Punkte am Himmel. Gerade wollte sich mein Arm wie von selbst um ihre Taille legen, als sie aufseufzte und mir sagte, dass sie noch rasch das Bett für mich neu anziehen wolle. Ich protestierte sofort heftig, denn ich wollte ihr bestimmt nicht ihr eigenes Bett streitig machen sondern statt dessen auf der Couch schlafen. Nach einigem Hin und Her konnte ich sie schliesslich überreden und sie holte ein Kissen und eine Decke aus dem Schlafzimmerschrank. Ich solle doch schon mal ins Badezimmer gehen und Zähne putzen oder so. Sie lachte ihr süsses Lachen und verschwand sogleich im Schlafzimmer. Langsam ging ich in den Raum zurück, den ich erst vor kurzem unter Wasser gesetzt hatte und nahm gedankenverloren eine Zahnbürste aus dem Glas. Was hatte sie nun wieder vor? Holte sie nun ihre Knarre aus dem Nachttisch oder wollte sie mich mit einem heissen Outfit überraschen? Beide Gedanken liessen mich ins Schwitzen geraten und ich köpfte fast die Zahnbürste, so sehr bearbeitete ich damit meine Zähne. Doch ich hatte falsch geraten. Sie kam eine Minute später mit einem altmodischen Pyjama ins Badezimmer. Wie hübsch und verführerisch sie nur aussah, auch in diesem etwas zu grossen Schlafanzug. Sie hatte die obersten vier Knöpfe des Oberteils nicht geschlossen und ich konnte deutlich die Ansätze ihrer Brüste sehn. Ich verschluckte mich an der Zahnpaste und bekam kaum noch Luft. Hastig beugte ich mich unter den Wasserhahn und nahm einen kräftigen Schluck Wasser. Umständlich reinigte ich die Zahnbürste unter dem kalten Wasserstrahl und bevor ich sie ins Glas zurückstellen konnte, nahm sie sie mir aus der Hand, strich Zahncreme drauf und putze sich mit derselben Zahnbürste, die ich eben erst benutzt hatte, ihre eigenen Zähne. Ich stotterte etwas verlegen, dass ich mich schon mal aufs Sofa legen würde, denn morgen müsse ich ja noch heim radeln und da müsse ich schon ziemlich früh aus den Federn. Sie nickte nur und beschäftigte sich weiter mit ihren Zähnen. Draussen im Wohnzimmer legte ich mich auf die Couch und machte es mir so bequem wie möglich. Ich wurde einfach nicht klug aus der Frau. Im allgemeinen besitze ich eine recht gute Menschenkenntnis, aber sie war mir ein Rätsel. War sie nur naiv oder suchte sie nur ein Abenteuer sexueller Art? Wohl kaum... Oder lag ich doch nicht so weit daneben mit meinen Schauerphantasien? Mir war nicht so recht wohl in meiner Haut und zum zweiten Mal bereute ich es fast, nicht einfach an ihr vorbei gefahren zu sein. Ich hörte wie sie den Mund spülte und das Licht im Bad ausknipste. Da die Couch dummerweise nicht gegen das Bad sondern zur Terrasse hin aufgestellt war, konnte ich sie nicht sehn. In der Fensterscheibe der Balkontüre jedoch konnte ich schwach ihr Spiegelbild erkennen und ich sah, dass sie auf die Couch, also auf mich zuging. Hatte da nicht etwas in ihrer Hand aufgeblitzt? Eine Waffe? Wie von der Tarrantel gestochen sprang ich auf...
Durch meine unerwartete heftige Reaktion zuckte sie zusammen und wäre beinahe rückwärts über den kleinen Glastisch gestürzt. Im letzten Augenblick konnte sie ihr Gleichgewicht zurückgewinnen. "Um Himmelswillen, was ist denn los?". Etwas verärgert aber auch erschrocken schaute sie mich an, in ihrer Hand hielt sie einen kleinen silbernen Digitalwecker. Ich Riesenochse. Anscheinend war ich einem Nervenzusammenbruch nahe, da ich schon überall Messer und Pistolen sah. Sie bemerkte anscheinend meinen ungläubigen Blick, der auf ihrem Wecker ruhte, deutete ihn aber natürlich falsch. "Ich wollte ihnen nur einen Wecker bringen, damit sie morgen nicht zu spät hier wegkommen. Haben sie ein Gespenst gesehen oder warum um alles in der Welt erschrecken sie mich dermassen?". Tja, ich müsse noch rasch aufs Klo und sei halt etwas schwungvoll aufgestanden. Eine bessere Ausrede brachte ich beim besten Willen in dieser Situation nicht zustande. Sie schüttelte nur den Kopf, musste aber lachen und ging in ihr Schlafzimmer. Natürlich ging ich noch ins Bad um meine Geschichte halbwegs glaubhaft werden zu lassen, schloss die Türe und setzte mich aufs Klo. Sollte ich weinen oder lachen? Wie verhält man sich in einer solch ungewöhnlichen Situation? Morgen, beim Kaffee im Büro musste ich vielleicht schon darüber lachen. Oder ich würde den morgigen Tag gar nie erleben. Genau, das machen die dauernden blöden Filme im Fernsehen aus einem: Psychopaten. Ich stand auf, hätte beinahe noch vergessen die Spülung zur Untermauerung meiner Ausrede zu betätigen, öffnete die Tür und knipste das Licht aus. Im Wohnzimmer brannte nur noch eine kleine Stehlampe die spärliches Licht auf den Boden warf. Leise ging ich zur Couch und legte mich hin. Wenn ich den Kopf etwas verdrehte konnte ich zur Schlafzimmertüre sehen die aber nur ein schwarzes Rechteck war. Schlief sie schon, oder wartete sie bloss bis ich im Land der Träume war? Ich schaltete die Lampe aus und augenblicklich wurde es fast stockdunkel in der Wohnung. Ich hatte zuerst daran gedacht die Lampe brennen zu lassen, aber in der Dunkelheit fühlte ich mich doch sicherer. Ich lauschte in die Stille, konnte aber keinen Laut vernehmen. Draussen wehte kein Lüftchen und die Strasse, die wohl sowieso fast keinen Verkehr mehr führte, war hier nicht zu hören. Obwohl es drückend heiss war, vergrub ich mich in meiner Decke. Und so muss ich dann wohl eingenickt sein, denn ein furchtbarer Schrei riss mich aus dem Schlaf.
Ich fuhr aus dem Sofa hoch, noch schneller als beim letzten mal und schlug mir prompt furchtbar den Fuss am Tischen. Ich schnellte herum und da ich immer noch die Decke um mich gehüllt hatte fegte ich die schöne Blumenvase samt Inhalt um. Das klirren verscheuchte den letzten Rest Schlaf und ich blickte in Richtung Schlafzimmer das immer noch im Dunkeln lag. Leises Stöhnen drang zu mir und ich wusste nicht recht wie ich mich verhalten sollte, wieder einmal. Sollte ich so tun als ob nichts wäre? Das ging wohl kaum bei der Schweinerei und dem Getöse das ich soeben angerichtet hatte. Ich knipste die Lampe an und ging langsam auf die offene Schlafzimmertüre zu. Vorsichtig schaute ich in den Raum, der nur spärlich durch die Ständerlampe aus dem Wohnzimmer erhellt wurde. Da lag sie in ihrem grossen Bett. Die Decke war vollkommen zerknüllt und das Kissen lag am Boden. Sie selbst hatte eine seltsame verkrampfte Stellung und lag halb Quer auf der Matratze. Ich ging näher und bückte mich zu ihr hinunter. Auf ihren Wangen waren noch die frischen Spuren von Tränen zu sehen und das hübsche Gesicht war gerötet. Ich hätte sie stundenlang so anschauen können. Ihr Pyjamaoberteil war hochgerutscht und lies ihren flachen Bauch frei. Ich wollte sie gerade wieder zudecken als sie sich murmelnd umdrehte und mir ihren Rücken zuwandte. Was ich dann sah liess meinen Atem stocken. Quer über den Rücken zogen sich mehrere bestimmt zehn bis fünfzehn lange Narben. Beim Duschen waren sie wohl vom Schaum verdeckt gewesen. Frisch waren sie nicht, aber bestimmt auch nicht älter als ein paar Monate. Ich legte die Decke über ihren Körper und sie kuschelte sich augenblicklich darin ein. Verstört ging ich wieder zu meinem Schlafplatz und legt mich hin. Die Lampe liess ich brennen. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, der Wecker hatte mich aus einem unruhigen Schlaf gerissen, war sie schon weg. An der Haustüre klebte ein Zettel mit ein paar wenigen Worten. Dass sie mir für die Hilfe danke, es nett gewesen sei mit mir und dass ich den Hausschlüssel doch einfach in den Briefkasten werfen solle. Das war alles. Anscheinend hatte sie nicht das Bedürfnis, mich wieder sehen zu wollen. Ziemlich zerknirscht zog ich mich an, schloss die Wohnung ab, warf den Schlüssel wie mir geheissen wurde in den Briefkasten und radelte heimwärts. Auf halber Strecke hätte ich mich Ohrfeigen können, und Zuhause zweifelte ich an meinem Verstand. Ich wusste nichts, aber auch gar nichts über sie. Weder ihre Telefonnummer noch ihren Nachnahmen oder wo sie arbeitete. Und Architekturbüros gab es wohl in Zug wie Sand am Meer. Der Briefkasten an Ihrer Türe hatte nicht einmal ein Namensschild besessen und auf die Türklingel zu achten war mir leider entgangen. Frustriert duschte ich, zog mir Jeans und T-Shirt an und ging zur Arbeit. Den ganzen Tag über sinnierte ich über den gestrigen Abend und die Nacht nach, und als endlich Feierabend war musste ich mir wohl oder übel eingestehen, dass ich mich wohl verliebt hatte. Glücklicherweise war Freitag Abend und ich hatte daher zwei Tage Zeit ein wenig Nachforschungen anzustellen. Ich wollte gerade gehen als mich ein Kollege abfing. Dieser lud mich noch zu einem Feierabendbier ein, und da ich ihm schon die letzten zwei male einen Korb gegeben hatte ging ich mit. Ich hatte mir sowieso noch keinen Plan zurechtgelegt wie ich die Sache angehen wollte und so konnte ein Bierchen nicht schaden. Das Lokal war brechend voll und der Qualm verunmöglichte es einen mehr als fünf Meter weit zu sehen. Trotzdem fanden wir noch in kleines Tischchen in einer ruhigeren Ecke und bestellten bei der sehr gestressten Bedienung unsere Getränke. Mein Kollege hatte anscheinend eine Bekannte gesehen und winkte sie zu uns an den Tisch. Er stellte sie mir als Erika vor, eine Berufskollegin der Firma wo er früher gearbeitet hatte. Sie war recht hübsch, hatte kurzes schwarzes Haar, ein energisches Kinn und war bestimmt einen Meter achtzig gross. Als unsere Biere endlich gebracht wurden bestellte sie sich einen Whisky. Mein Kollege unterhielt sich prächtig mit ihr, und schien mich ganz vergessen zu haben. Ich nahm einen Schluck und der gestrige Abend ging mir noch einmal durch den Kopf. Woher hatte sie diese Narben am Rücken? Warum war sie so plötzlich verschwunden heute Morgen? Was hatte der ganze gestrige Abend zu bedeuten? Ich wusste nicht wo mir der Kopf stand, schüttelte den Kopf nahm noch einen Schluck und beinahe wäre mir das Glas aus der Hand geglitten. Ich verschluckte mich fürchterlich und hustete mir fast die Lunge aus dem Leib. Ich hatte sie gesehen, hinten an der Bar als sie mit einem Typen sprach. Nun konnte ich sie jedoch nicht mehr entdecken, zumal ich noch Tränen vom Husten in den Augen hatte. Erika schaute mich etwas pikiert an und mein Kollege schlug mir mit der flachen Hand ein paar mal auf den Rücken was tatsächlich half. Ich versuchte mit den Augen den Qualm im Raum zu durchdringen, doch ich konnte sie nirgends entdecken. Ich wollte die Sache gerade als einen Irrtum abtun, als ich sie wieder sah. Sie ging gerade zur Türe raus. Ich stammelte eine kurze Entschuldigung, sprang von meinem Stuhl und quälte mich durch das Gewimmel. Es dauerte eine halbe Ewigkeit und etliche Flüche bis ich bei der Türe war, nach draussen rannte und sie gerade noch wegfahren sah. Ich konnte mir die letzten 4 Ziffern des Kennzeichens merken und die Automarke. Sie zu Verfolgen hatte keinen Sinn, da mein Wagen viel zu weit weg stand. Ich ging also wieder in die Bar und verlangte an der Theke Zettel und Stift. Fünf, acht, drei, vier, schrieb ich auf den Zettel sowie die Automarke, so leicht gab ich mich nicht geschlagen. Plötzlich fiel mir ein, dass sie mir gestern aufgetischt hatte, gar keinen Wagen zu besitzen. Entweder hatte sie gelogen oder sich einen ausgeliehen, denn sie war alleine weggefahren, dass hatte ich deutlich erkennen können. Enttäuscht ging ich wieder zum Tisch zurück wo mich die zwei etwas mitleidig empfingen. "Was ist denn in dich gefahren? Hast du ein Gespenst gesehen, oder was?". Erika zog eine Augenbraue hoch und hatte sich wohl schon eine entsprechende Meinung über mich gebildet. Ich setzte mich wieder auf den Stuhl und nippte an meinem Glas. "Nein, nein. Ich hab geglaubt eine alte Bekannte gesehen zu haben, aber mich wohl getäuscht", redete ich mich heraus. "Eine alte Bekannte sagst Du? So wie Du durch die Menge gepflügt bist, kann die ja aber wohl nicht so alt gewesen sein!". Erika und meine Kollege lachten sich halb tot auf diesen faulen Witz und konnten sich fast nicht mehr erholen, so dass ich unweigerlich mit grinsen musste. Erika hieb mir auf die Schulter und nahm noch einen kräftigen Schluck. Zwei Stunden später, als ich bereits zu Hause vor dem Fernseher sass, ging mir die Sache in der Bar immer noch durch den Kopf. Was hatte sie da gewollt? Woher war der Wagen? Hatte sie mich gesehen und war darum so schnell geflohen? Das ganze wollte keinen Sinn ergeben. Ich stand auf und ging zum Bücherregal wo ich nach einigem Suchen den Wälzer mit den Autokennzeichen fand. Die Ausgabe war zwar schon über ein Jahr alt, aber das musste im Moment reichen. Fünf, acht, drei, vier waren die letzten Ziffern gewesen, und vorne dran waren noch zwei Zahlen gewesen, dessen war ich mir ziemlich sicher, die ich nicht hatte erkennen können. Also blieben theoretisch 100 zur Auswahl. Ich seufzte und fing an diese herauszusuchen und in meinen Computer einzugeben. Nach fast zwei Stunden und tränenden Augen hatte ich endlich eine Liste. Glücklicherweise waren nur 45 Positionen auf meiner Aufstellung zusammengekommen, da anscheinend nicht alle Nummern benutzt wurden. Ich sortierte die Adressen nach Ortschaften und begann, die in der näheren Umgebung farbig zu Kennzeichnen. Ich nahm an, dass der Wagen wohl einer Bekannten gehörte, und die würde mit ziemlicher Sicherheit in der Nähe von Ihr wohnen. Die Anzahl der Verdächtigen war somit auf sieben geschrumpft. Ich schaute auf meine Uhr. Zu spät um noch anzurufen, dass müsste bis morgen warten. Aber ich konnte doch schon etwas Vorarbeit leisten? Ich druckte die Liste aus, zog mir Jacke und Schuhe an, verliess meine Wohnung und ging zum Wagen. Ich wollte ein paar der Adressen abklappern, als erstes natürlich die sieben, die ich mir angestrichen hatte, schlafen konnte ich im Moment ohnehin nicht.
Zwei Stunden später wurde mir langsam klar, dass schlafen wohl doch keine so schlechte Idee gewesen wäre. Ich hatte mich bestimmt zehn mal verfahren, dann tatsächlich noch einen Platten gehabt und schlussendlich war ich noch in eine Polizeikontrolle geraten. Glücklicherweise hatte ich nur zwei Biere gehabt, aber die Beamten guckten mich trotzdem etwas seltsam an. Vermutlich hatten sie die Strassenkarte auf dem Beifahrersitz gesehen. An sich nichts aussergewöhnliches, ausser um halb zwei Uhr Morgens doch etwas seltsam. Ich machte mich also wieder auf den Heimweg und liess mir noch einmal die Adressen durch den Kopf gehen, die ich besucht hatte. Nirgends hatte ich einen Wagen gesehen, der auch nur im entferntesten dem von der Bar glich. Bei der Mehrzahl jedoch stand überhaupt kein Wagen, da die meisten Häuser Garagen hatten. Ich hatte auch sonst keinerlei Hinweise gefunden, die auf meine gestrige Bekanntschaft schliessen lies. Entmutigt stieg ich Zuhause aus dem Auto und wäre beinahe über Sandra gestolpert, die auf der Treppe die zum Haus führte sass. Ihr linkes Auge hatte die Farbe einer reifen Pflaume und war dick angeschwollen, und unter der Nase hatte eingetrocknetes Blut seine Spuren hinterlassen.
Für ein paar Sekunden war ich gelähmt vor Schreck und auch völlig überrumpelt. Hier hätte ich sie zuletzt erwartet, und vor allem nicht in diesem Zustand. Ich stieg hastig aus dem Wagen, knallte die Türe hinter mir zu und stürzte zur Treppe. Ich erwartete eigentlich einen Weinkrampf, einen Wutausbruch oder sonst irgend eine ihren Umständen entsprechende Reaktion, aber sie blickte nicht einmal zu mir auf. Verwirrt kniete ich mich vor ihr nieder um in Ihr Gesicht zu blicken. Ihre Miene war völlig teilnahmslos und apathisch. Keine Träne rann aus ihren Augen, es zeigte sich keinerlei Regung in ihren Zügen. Was sollte ich nun tun? Sie mit in meine Wohnung nehmen? Die Polizei rufen? Oder besser gleich ins Krankenhaus? Das schien mir die vernünftigste Alternative, wer weiss, was sie sonst noch abbekommen hatte. Ich nahm behutsam ihr Hand in die meine und zog sie langsam hoch. Sie folgte mir wie eine willenlose Puppe. Die Fahrt dauerte nicht länger als 10 Minuten und ich fuhr direkt vor die Notaufnahme. Der diensthabende Arzt wollte genau wissen, wie alles abgelaufen war, aber viel konnte ich ihm ja nicht erzählen. Die ganze Vorgeschichte ging in ja nun wirklich nichts an. Ich schilderte ihm also nur, dass ich sie auf der Treppe zu meiner Wohnung gefunden hätte und ihr vorher noch nie begegnet sei. Er schrieb sich alles genau in sein Formular und ich fühlte mich als Verräter. Aber wie hätte ich ihm die ganze Geschichte einigermassen verständlich erklären sollen? Ich war müde und auch verwirrt, konnte meine Gedanken nicht ordnen. Als er mich wieder allein gelassen hatte, zog ich einen Kaffee aus dem Automaten und dann kam die Schwester, die mit Sandra in einem der Untersuchungszimmer verschwunden war. Auch sie machte nicht den glücklichsten Eindruck und schaute mir recht feindselig in die Augen. "Ihrer Frau gehts gut, ausser dem misshandelten Auge. Sie brauchen sich also keine Gedanken mehr zu machen, dass irgendwelche körperliche Schäden zurück bleiben werden." Das Wort "körperlich" betonte sie speziell vorwurfsvoll. Verdutzt schaute ich sie an. Da musste ein Missverständnis vorliegen. Anscheinend hatte sich bereits herumgesprochen, dass ich der gewalttätige Ehemann sein müsse. Ich wollte mich verteidigen, aber die Schwester lief schon kopfschüttelnd den Gang runter. Sprachlos schaute ich ihr nach. Was war heute nur für ein Tag. Ich drehte mich um und wäre beinahe mit Sandra zusammengeprallt. Sie hatte hinter der etwas dicklichen Schwester gestanden, und ich hatte sie daher nicht bemerkt. Trotz ihres misshandelten Gesichtes sah sie umwerfend aus. "Können wir gehen?" Ihre fragenden Augen sahen mich eindringlich an. "Äh....sollten wir nicht noch auf den Arzt warten?" stotterte ich. Sie schüttelte den Kopf und zog mich an der Hand aus dem Krankenhaus zum Auto. Ich schaute sie fragend an. "Bitte, steigen wir ein? Ich hasse Krankenhäuser und der Doktor hat keine Verletzungen gefunden. Ich möchte einfach nur schlafen....". Ich schaute immer noch etwas verdattert, öffnete aber widerwillig die Beifahrertüre und sie stieg ein. Als ich mich neben sie setzte und gerade dazu ansetzen wollte sie zu fragen, wie sie denn eigentlich in diesen Zustand gekommen sei, hatte sie die Augen schon geschlossen und sich in den Sitz gekuschelt. Was nun? Zu ihr oder zu mir? Vielleicht wartete bei Ihr Zuhause bereits die nächste Überraschung und deren hatte ich heute mehr als genug. So fuhr ich also die wenigen Kilometer zu mir und parkierte vor dem Haus. Und nun? Im Auto konnte ich sie ja kaum lassen und meine zaghaften Weckversuche scheiterten kläglich. Es blieb nur noch eine Alternative, ich musste sie wohl oder übel hinauftragen. Ich stieg aus, lief ums Auto herum zur Beifahrertür und öffnete sie. Zuerst musste ich den Sicherheitsgurt öffnen was gar nicht so einfach war von der Türe her. Als ich mich über sie beugte um an das Schloss heran zu kommen, stieg mir wieder ihr süsser Duft in die Nase. Ich seufzte, drückte auf den roten Knopf und befreite sie vom Gurt. Dann griff ich unter ihren schlafenden Körper und hob sie aus dem Wagen. Vermutlich würde sich morgen meinen Rücken auf die schmerzhafte Art bemerkbar machen. Ich gab der Tür einen Stoss mit dem Fuss, und ging auf die Haustüre zu. Natürlich abgeschlossen. Bis ich im dritten Stock war und sie ins Bett legen konnte waren meine Arme und Beine Taub und ich in Schweiss gebadet. Ich zog ihr die Schuhe aus zögerte dann aber. In den tollen Romanen oder Filmen liegen solcherlei Opfer am nächsten Morgen meist völlig nackt im Bett, ausgezogen von einem Fremden. Das wollte ich ihr ersparen und ich beschränkte mich daher auf die Schuhe. Ich zog die Decke über sie, knipste das Licht aus und ging ins Wohnzimmer. Irgend etwas Kräftiges musste ich nun zum runter spülen haben. Ich öffnete den Schrank zu meiner bescheidenen Hausbar, eigentlich den Küchenschrank, und goss mir ein Glas billigen Whisky ein. Das ganze war etwas viel für mich, und statt dass ich Antworten zu den offenen Fragen hatte, waren wieder ein halbes Dutzend neuer Unklarheiten aufgetaucht: Was hatte sie in der Bar verloren? Ich war ja wohl kaum der Grund gewesen. Woher hatte sie den Wagen? Wer hatte sie so zugerichtet? Woher zum Teufel wusste sie, wo ich wohne? Und warum kam sie ausgerechnet zu mir, wenn sie von irgendwelchen Personen halb umgebracht wurde? Mir rauchte der Kopf. Ich nahm einen kräftigen Schluck aus meinem Glas und spürte Sekunden später die Wärme die sich in meinem Körper ausbreitete. Ich überlegte ob ich jemandem von dieser undurchschaubaren Geschichte erzählen sollte, entschied mich dann aber dagegen. Als Antwort würde ich wohl nur derbe Scherze oder sonstige dumme Sprüche ernten. Ich legte mich mit meinem Whisky aufs Sofa und starrte an die Decke, suchte nach Erklärungen und Antworten doch alles passte irgendwie nicht so recht zusammen. Ihre Panne mit dem Bike, die Einladung zur ihr nach Hause, die Duschmisere, ihr plötzliches Verschwinden am Morgen. Ich war mir einfach nicht sicher ob das geplant oder alles nur Zufall war. Doch welchen Nutzen würde sie daraus ziehen wenn sie mich in die Irre führte? Gehörten das blaue Auge und ihr auftauchen bei mir auch zu dem Szenario? Oder war ich ihr einfach nur als erster eingefallen bei dem sie Schutz suchen konnte? Doch sie konnte nicht wissen wo ich wohne, jedenfalls nicht ohne in meinen Sachen gewühlt zu haben, als ich im Badezimmer war. Der Rest aus meinem Glas verschwand in meinem Magen und ich legte den Kopf aufs Kissen. Dabei musste ich wohl eingeschlafen sein, denn erst am Morgen fiel mir auf, dass ich nicht mehr alleine auf der Couch lag.
Sie hatte sich eng an mich gedrückt und ich hatte anscheinend im Schlaf meine Arme um sie geschlungen. Ich wagte nicht mich zu bewegen, vor allem nicht als ich bemerkte das sie nur noch ihren Slip und ein knappes Shirt trug. Plötzlich wurde ich wütend. Wollte sie mich zum Narren machen? Dachte sie ihr Körper würde all ihr Tun rechtfertigen? Ich spürte den Drang sie vom Sofa zu stossen, doch ich brachte es schliesslich doch nicht fertig. Ich zog meinen Arm unter ihr hervor und stand langsam auf. Sie murmelte etwas unverständliches, drehte sich um und schlief weiter. Ich hatte immer noch meine zerknautschten Kleider an, und wie ich befürchtet hatte, stand es mit meinem Rücken nicht zum besten. Eine heisse Dusche würde nun Wunder wirken. Auf dem Weg zum Schlafzimmer warf ich noch einmal einen Blick zurück. Sie schlief wie ein Stein oder verhielt sich wenigstens so. Ich ging zu meine Schrank und kramte Jeans, T-Shirt und neue Unterwäsche hervor und verschwand dann im Badezimmer. Die Türe schloss ich ab. Auf Überraschungen am Morgen konnte ich verzichten. Der heisse Strahl der Brause prasselte auf meinen armen Rücken, und ich genoss die wohltuende Wärme solange, bis das Wasser kälter wurde. Dann stieg ich aus der Dusche, trocknete mich ab und zog meine neuen Sachen an. Ich trat an die Türe und lauschte, kein Geräusch war zu hören. Ich drehte den Schlüssel, öffnete die Türe und roch augenblicklich den Duft frischen Kaffees. Sie sass am Tisch, vor sich zwei dampfende Kaffeetassen. Etwas verlegen setzte ich mich ihr gegenüber. Ihr Gesicht war immer noch geschwollen und ihre Augen hatten einen etwas traurigen Ausdruck. "Guten Morgen, ich hoffe du hast nichts dagegen, dass ich rasch deine Küche benutzt habe, aber wenn ich morgens keinen Kaffee kriege, bin ich nur ein halber Mensch." Ich schaute in die dampfende Tasse auf meiner Seite. Der Inhalt dampfte verlockend und war schwarz wie die Nacht, sowie Kaffee eben sein soll. "Natürlich nicht, sonst muss ich den Kaffee immer selber machen." Sie schaute mich verwundert an. "Du wohnst alleine? Keine Freundin oder verheiratet?" Ich wollte mir gerade eine erklärende Antwort einfallen lassen, als es an der Türe klingelte. Ich deutete eine verwunderte Geste mit den Schultern an und ging zur Türe. Wer um himmelswillen wollte mich am Samstag Morgen besuchen. Das geschah wirklich nur alle paar Jahre mal. Ich riss die Türe auf und draussen stand der Kollege von der Bar, diesmal wenigstens ohne seine ordinäre Freundin. Ich wollte gerade eine Entschuldigung abgeben, leider keine Zeit zu haben, als er auch schon in der Wohnung stand. "Wollen wir?" Ich schaute ihn verwirrt an. "Wollen wir was?", ich verstand nur Bahnhof. Er lachte schallend. "Du hast wohl vergessen das wir uns gestern noch zu einem Frühschoppen verabredet haben, wohl doch ein Bierchen zu viel getrunken, was?" Frühschoppen? Verabredet? Am Samstag Morgen? Ich verfluchte die verrauchte Bar und versuchte eine Lösung zu finden, um den Kerl wieder loszuwerden. Ich wollte gerade ansetzten, als ich bemerkte, dass sein Gesichtsausdruck sich plötzlich änderte. Seine Augen wurden kugelrund, der Kiefer klappte nach unten und sein Blick war auf irgend etwas hinter mir gerichtet. Ich drehte mich um und sah den Grund seiner Fassungslosigkeit. Er hatte meine nächtliche Besucherin entdeckt die, natürlich neugierig geworden, nach vorne zum Eingang gekommen war. Anscheinend hatte sie vergessen, dass sie, ausser Unterwäsche, nichts an hatte.
Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. "Du Schwerenöter du! Anscheinend komme ich etwas ungelegen, scheint mir. Willst Du mir Deinen...äh.. Besuch nicht vorstellen?" Ich blickte unbeholfen zwischen den beiden hin und her, fand aber im Augenblick keine Worte. Natürlich fasste er die ganze Situation völlig falsch auf, schliesslich war überhaupt nichts geschehen. Aber ihm das zu erklären war eben so sinnlos, wie dem Wetterbericht glauben zu schenken. Er glotzte immer noch provozierend auf die Unterwäsche meiner Besuchererin, als diese ganz unerwartet die Situation für sich entschied. Entschlossenen Schrittes ging sie auf meinen Kollegen zu, nahm seine Hand in die ihre und meinte keck: "Hallo, Du hast wohl schon lange keine Frau mehr in Unterwäsche gesehen, nehm ich an. Ich heisse übrigens Sandra. War nett Dich kennen zu lernen, aber leider muss ich nun unter die Dusche. Bye!" Sie grinste frech und Schritt mit aufreizenden Schritten um die Ecke. Hochroten Kopfes stand mein Kollege da, die Hand immer noch vorgestreckt. "Äh...da fällt mir ein, dass ich etwas dringendes vergessen habe. Wir können ja den Frühschoppen ein anderes mal nachholen..." Er drehte sich abrupt um und war eine Sekunde später verschwunden. Diese Frau überraschte mich immer wieder von neuem, obwohl das eigentlich kaum möglich schien. Tatsächlich hörte ich nun die Dusche rauschen. Ich setzte mich an den Tisch, nahm mir eine der Tassen, und trank einen kräftigen Schluck Kaffe. Schwarz ohne Zucker, das war das was ich nun brauchte. Immer noch wusste ich kein bisschen mehr als vorher, eher im Gegenteil. Sie hatte zwar beim mir "übernachtet", aber keine Frage wurde dadurch beantwortet. Plötzlich kam mir ein Gedanke. Warum nicht schnell ihre Sachen durchstöbern? Vielleicht fand ich da einen Hinweis, der etwas Licht in das Dunkel brachte? Ich lauschte auf die Dusche und vernahm immer noch das beruhigende Rauschen. Schnell stellte ich die Tasse auf den Tisch und sprang auf. Ihre Kleider mussten sich immer noch im Schlafzimmer befinden, wo ich sie gestern deponiert hatte, ausser sie hätte sie mit ins Badezimmer genommen. Die Sachen aber lagen immer noch so da, wie ich sie gestern hingelegt hatte. Ich nahm ihre Jeans und durchsuchte die Taschen. Vorne nichts, hinten links eine altes verwaschenes Kinoticket und rechts etwas Kleingeld. Trotz revoltierendem Gewissen nahm ich mir auch noch die alte Lederjacke vor. Und tatsächlich, in der Innentasche fand sich eine Brieftasche, ebenfalls aus schwarzem Leder, schon ziemlich abgenutzt. Ich klappte sie auf und ein sehr attraktiver junger Mann mit langem, zu einem Pferdeschwanz gebundenem Haar, lachte mich an. Das Photo war in schwarzweiss und vermutlich aus einem dieser Automaten die auf Bahnhöfen oder in Einkaufszentren stehen. Irgendwie war mir das Gesicht bekannt, doch ich konnte nicht nachvollziehen woher. Leider befand sich weder ein Ausweis noch eine Kreditkarte in der Brieftasche und durch das Foto wurde meine Verwirrung nicht kleiner.
Ich war gerade am Kaffee eingiessen als es an der Türe erneut klingelte. Wenn das wieder dieser penetrante Kerl von vorhin war, sollte er was zu hören kriegen. Ich riss die Türe auf und davor stand, Tränenüberströmt, meine kleine Schwester. Klein ist natürlich im doppelten Sinne bildlich gemeint: Sie ist fast einsfünfunsiebzig gross und schlank, geschieden und hat zwei Kinder. Aber sie ist 3 Jahre jünger als ich, und für mich immer noch die kleine Schwester. Ohne auf eine Einladung meinerseits zu warten stürmte sie mit hochrotem Kopf in die Wohnung. Kraftlos lies sie sich auf einen Stuhl plumpsen und trank in einem Zug meinen Kaffe aus. Danach schaute sie mich mit ihren geröteten Augen an und ich wusste was los war. Vermutlich war wieder mal ihr Ex in der Gegend und hatte sie "besucht". Er tat das öfters, je nach dem ob er wieder mal den Job verloren, oder ihn eine seiner zahllosen Geliebten verlassen hatte. Dann klingelte er bei meiner Schwester, sie lies ihn nach kurzer Überredungskunst seinerseits herein. Er klagte ihr sein Leid in allen Regenbogenfarben, versuchte ihr klar zu machen, wie schwer sein Leben sei, und machte sie schlussendlich für seinen ganzen Schlammassel verantwortlich. Das tat er so lange und gekonnt, bis sie in Tränen aufgelöst war und sich nicht mehr zu wehren wusste. Was für ein Arschloch! Leider verschwand er immer wieder so schnell wie er aufgetaucht war, und entging so seiner schon lange fälligen Tracht Prügel. Ich setzte mich ihr gegenüber und sie wollte mir eigentlich sofort ihr Leid klagen als sie plötzlich stutze. Ihre traurige Miene wurde plötzlich zu einer erstaunten und ich verstand nur Bahnhof bis ich ihrem Blick folgte. Sie hatte natürlich sofort bemerkt, dass mein kleiner Marmortisch nicht wie sonst nur für eine, sondern für zwei Personen gedeckt war. Dann hörte sie natürlich auch die laufende Dusche und plötzlich zauberte sich ein Lächeln in ihr Gesicht. " Du bist nicht allein? Hast du eine neue Freundin? Wurde auch langsam Zeit, du hast mir ja gar nichts erzählt du Heimlichtuer! Wer ist es denn? Kenn ich sie?" Ihre Fragerei nahm keine Ende und eigentlich war ich froh darüber. So musste ich sie nicht zuerst wieder von ihrem tollen Ex-Mann ablenken und ihr Ego wieder mühsam aufpäppeln. Eigentlich hatten wir ein tolles Verhältnis zueinander. Wir besuchten uns oft, quatschten, gingen dann und wann zusammen aus und liessen die Puppen tanzen. Doch jetzt kam sie wirklich ungelegen. Was sollte ich ihr erzählen? Die ganze Story? Dafür fehlte mir die Zeit und die Nerven. Zudem war seit einer Weile die Dusche nicht mehr zu hören. Es konnte sich also nur noch um wenige Augenblicke handeln bis meine neue "Freundin" auftauchen würde. Meine Schwester schaute mich immer noch fragend an, den Grund, warum sie eigentlich gekommen war, hatte sie schon längst vergessen. Mir fiel partout nicht ein, was ich nun sagen oder machen sollte und das war auch nicht mehr nötig, denn plötzlich richtete meine Schwester den Blick hinter mich. Ich drehte mich um und erwartete schon dass sie nackt hinter mir stehen würde, denn Ihre Kleider waren ja noch immer im Schlafzimmer. Doch sie hatte meinen Bademantel angezogen der ihr zwar etwa zwei Nummern zu gross war, aber sie sah darin äusserst sexy aus. Meine Schwester sprang hocherfreut von Ihrem Stuhl und stürzte sich auf meinen Gast. Sie ergriff ihre Hand und liess einen Schwall von Worten auf sie nieder regnen. Das sei doch nett, dass ich endlich so eine nette Freundin hätte, und was sie denn beruflich mache, und wie lange wir uns schon kennen, und wo wir uns kennen gelernt hätten, und so ging es mindestens fünf Minuten weiter. Sandra konnte kein Wort sagen und warf nur ab zu einen belustigten Blick zu mir herüber. Als dann meiner Schwester doch für einige Sekunden die Luft wegblieb erklärte Ihr Sandra bedauernd, dass sie sich beeilen müsse, sie habe noch einen Termin und sei ja noch nicht mal angezogen. Damit zog sie sich in das Schlafzimmer zurück. Ich nahm einen grossen Schluck von meinem kalten Kaffee und bestrafte meine Schwester mit einen tadelnden Blick. Diese plauderte jedoch munter weiter, und nach wenigen Minuten erschien Sandra angezogen und zurechtgemacht, drückte mir einen Kuss auf den Mund, verabschiedete sich freundlich von meiner Schwester, und war nach wenigen Sekunden durch die Wohnungstüre verschwunden. Verdammt, nun war ich wieder so weit wie am Anfang. Verärgert starrte ich den Kaffeesatz in meiner Tasse an und überlegte, ob ich ich ihr folgen sollte. Doch dass hätte meine Schwester wohl kaum verstanden und zudem wollte ich Sandra auch nicht hinterherlaufen. Und genau dass war das Stichwort. Was dachte sich diese Person eigentlich? Ich kam wegen ihr in die seltsamsten Situationen, konnte nur noch an sie denken, sie brachte mein ganzes Leben aus dem sowieso schon wankenden Gleichgewicht. Doch wenn ich gewusst hätte, was mir noch bevorstand, ich wäre wohl sofort zu meiner Schwester gezogen. Nach einer knappen halben Stunde verliess mich dann auch meine Schwester und ich grübelte wieder mal über das geschehene nach. Nach zehn Minuten fiel mir die Decke auf den Kopf, ich musste raus an die frische Luft. Eine Viertelstunde später schloss ich die Haustüre und stieg in meinen Wagen. Ich fuhr los als ich plötzlich hinter mir eine Bewegung wahrnahm. Zuerst dachte ich an eine Täuschung, doch schon wurde ich eines besseren belehrt. Die Klinge an meinem Hals sprach eine klare Sprache.
Solche oder zumindest ähnliche dermassen unglaubliche Situationen kennt wohl jeder aus Kino oder Fernsehen. Die meisten stellen sich dann in Gedanken vor, wie sie diesen Angreifer an Stelle des Schauspielers erledigen würden. Doch was tun, wenn man wirklich ein Messer am Hals hat (dass sich dieses später als stumpfer Brieföffner entpuppte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht), mindestens 50 Sachen drauf hat und sich noch auf die Strasse konzentrieren muss? Ich versuchte einen Blick auf meinen Angreifer im Rückspiegel zu erhaschen, doch dieses Unterfangen wurde sofort durchschaut. Eine Sekunde später lag der Spiegel abgerissen auf dem Beifahrersitz. Inzwischen waren nur wenige Augenblicke vergangen und erst jetzt wurde mir meine Lage richtig bewusst. Es ging um mein Leben, nicht um einen Film oder einen Schauspieler. Ich fühlte wie der Angstschweiss ausbrach, den Adrenalinstoss, wie sich mein ganzer Körper versteifte. Tausend Dinge gingen mir durch den Kopf, war mein kümmerliches Leben nun zu Ende? Was hatte ich alles verpasst? Was hätte ich anders machen sollen? Plötzlich begann der Fremde im Fond des Wagens zu sprechen: "Du Dreckskerl! Was hast Du mit Sandra vor?" Er spuckte mir die paar Wörter regelrecht in meinen Nacken. Ich spürte den Hass der in diesen zwei kurzen Sätzen schwelte. Doch nun wusste ich warum ich in diese missliche Lage gekommen war. Doch eigentlich hätte ich mir das auch vorher denken können, sofern ich hätte denken können. Anscheinend war ich jemandem in die Quere gekommen, doch wem verdammt noch mal? Ich überlegte fieberhaft. Mit grosser Wahrscheinlichkeit konnte es der eifersüchtige Freund sein, oder eventuell sogar ihr Zuhälter? Auf diese Idee war ich bisher noch nicht gekommen. Der Stimme nach zu urteilen konnte die Person hinter mir nicht allzu alt sein, obwohl man sich da sehr täuschen konnte. Ich spürte plötzlich, wie mein Aggressor langsam unruhig wurde, nicht weiter verwunderlich, denn bisher hatte ich ihm ja noch keine Antwort auf seine Frage gegeben. Ich räusperte mich und wollte irgendwas faseln um ein wenig Zeit zu schinden als er mir plötzlich ins Ohr schrie ich solle sofort anhalten. Wir waren irgendwo mitten in der Stadt und ich fuhr sofort an den Strassenrand. "Dreh Dich nicht um, Mistkerl!" Ich hörte wie hinten die Türe geöffnet und sofort wieder zugeschlagen wurde. Verstohlen schaute ich etwas zu Seite, direkt in das Schaufenster eines grossen Radio-TV-Geschäftes. Darin stand einer dieser riesigen Fernseher, den sich kein normal verdienender Mensch leisten kann oder sich ins Wohnzimmer stellen will. Auf dem Bildschirm sah ich genau in diesem Augenblick für einen Sekundenbruchteil ein mir bekanntes, sehr gehetztes Gesicht. Wieder einen Sekundenbruchteil später wusste ich wo ich das Gesicht schon einmal gesehen hatte. Doch wie kam es auf den Bildschirm dieses Fernsehers? War ich nun komplett übergeschnappt? Langsam stieg ich aus dem Wagen und ging auf das Schaufenster zu. Als ich noch knappe drei Meter davon entfernt war, sah ich wieder ein mir bekanntes, sehr bleiches ungläubig dreinblickendes Gesicht. Es war mein eigenes, eingefangen von einer Kamera irgendwo in der Auslage des Geschäftes. Ich sehnte mich nach einer Zigarette und einem starken Kaffee. Die plötzlich auf meine Schulter klopfende Hand lies mich herum wirbeln und in eine Art Angriff-Stellung gehen. Zweimal lies ich mich heute nicht kidnappen. Ich schaute in das verdutze Gesicht eines Polizisten, die Hand bereits auf dem Revolver der an seinem Gürtel hing. Nun hatte ich den Grund, warum der Fremde so plötzlich aus meinem Wagen wollte. "Ist das ihr Wagen da? Sie können hier nicht parken, wenn sie nicht wegfahren muss ich ihnen einen Strafzettel ausstellen." Ich nickte nur kurz und ging zurück zu meinem Wagen und stieg ein. Ich blickte noch einmal zu dem Fernseher, auf dessen Mattscheibe nun deutlich der Hinterkopf des zu mir schauenden Polizisten zu sehen war. Doch ich sah wieder das Gesicht meines Angreifers welches vorher kurz von der Kamera aufgenommen wurde. Es war dasselbe gewesen wie auf dem Foto, welches ich zuvor in Sandras Brieftasche gefunden hatte. Ich fuhr zuerst ziellos durch die Gegend, dann raus aus der Stadt. Ich hatte die Nase gestrichen voll. Ich war bisher nicht gerade vom Leben verwöhnt worden, hatte mich mehr schlecht als recht durchgeschlagen und hoffte eigentlich nach der Begegnung mit Sandra, dies musste ich mir nun im Nachhinein zugestehen, eine glückliche Wendung in mein Leben bringen zu können. Doch weit gefehlt, so beschissen wie jetzt war es mit noch nie gegangen. Ich fuhr rechts ran und kaufte mir an einer Tankstelle eine Sechserpackung Bier, Zigaretten und zwei Tafeln Schokolade. Ich musste immer Schokolade essen wenn es mir beschissen ging. Ich fuhr weiter und nach wenigen Kilometern wies mir ein Strassenschild den Weg zu einem Aussichtspunkt auf einem kleinen Berg. Bereits zehn Minuten später öffnete ich meine erste Bierflasche und blickte auf das unter mir liegende Tal. Ich sass am Boden, das Sechserpack und die Schokolade neben mir und zündete mir eine Zigarette an. Eigentlich rauchte ich nicht, doch da ging es mir in etwa wie mit der Schokolade. Ich sah dem Rauch nach der bizarre Formen in die Luft schrieb, fast so bizarr wie die Begegnung mit Sandra. Ich lies mich auf den Rücken in das weiche Gras fallen und schloss die Augen. Eine halbe Stunde später war bereits die vierte Flasche ausgetrunken, die Sonne schien angenehm auf meine Haut und so musste ich wohl eingeschlafen sein. Ich träumte wirre Dinge von tanzenden, dicken Krankenschwestern, von Fernsehern die statt einer Bildröhre ein riesiges Maul mir spitzen Zähnen hatten und alles wurde irgendwie von meiner redseligen Schwester kommentiert. Ich wachte auf und bemerkte zuerst den wunderbar gefärbten Himmel. Dann wunderte ich mich über meine feuchten Kleider und richtete mich auf. Ich sass immer noch auf dem selben Boden, auf dem selben Fleck Erde. Nur schien nun plötzlich die Sonne etwas zaghaft über das Tal. Endlich begriff ich, es war Morgen, Sonnenaufgang. Nun fühlte ich auch meine schmerzenden Knochen und die trockene Kehle. Ich blickte mich um, und stellte mit Erleichterung fest, dass ich immer noch alleine war. Langsam stand ich auf, packte meine sieben Sachen zusammen und schlurfte müde zu meinem Auto. Ich stieg ein, startete den Motor und fuhr los. Bei der Tankstelle an der ich gestern das Bier gekauft hatte hielt ich an und ging in das kleine Kaffee. Ich bestellte ein kleines Frühstück und ging dann in den Waschraum. Mein Gesicht im Spiegel war eine Beleidigung, auch nachdem ich es mehrmals mit eiskaltem Wasser abgespült hatte. Nicht gerade aufgemuntert ging ich zurück zu meinem Tisch wo ich sofort einen grossen Schluck des erstaunlich guten Kaffees nahm. Ich biss in das noch warme Hörnchen als ich fast daran erstickt wäre. Ich bekam einen massiven Hustenanfall und meine Augen fingen an zu Tränen. Die Angestellte des Kaffees blickte schon ängstlich zu mir herüber, doch ich hatte nur noch Augen für den Parkplatz der vom Fenster wunderbar zu überblicken war. Der, oder besser die Auslöser meines Hustenanfalls standen nämlich keine 30 Meter von mir entfernt auf dem Parkplatz: Sandra und "mein" Angreifer von Gestern! Wie versteinert schaute ich den beiden zu. Anscheinend hatten sie einen heftigen Streit, sie schrie in an und gestikulierte wild mit den Armen und er ebenso. Irgendwie erinnerte mich die Szene an etwas, doch ich konnte nicht herausfinden was es war. Gebannt starrte ich die beiden an. Plötzlich hob der langhaarige Fremde drohenden den Zeigefinger richtete ihn mehrmals hektisch auf Sandra als wolle er sie damit erdolchen, drehte sich dann abrupt um, stieg in einen alten Pickup und raste mit quietschenden Reifen davon. Ich hielt immer noch Tasse und das angebissene Hörnchen in der Hand. Langsam stellte ich beides auf den Tisch und lehnte mich zurück. Sandra schaute dem Pickup kopfschüttelnd nach, ihre Haare wehten wie eine goldene Flamme im Morgenwind
Was würde sie als nächstes tun? Vielleicht hatte sie keinen Wagen hier und musste auch in das Kaffee kommen um zu telefonieren. Ich spürte wie sich meine Nackenhaare aufrichteten. Was tun, wenn sie wirklich herein kam? Das Lokal war so klein, dass sie mich nicht übersehen konnte. Sie blickte immer noch der Staubwolke nach welche die Räder aufgewirbelt hatten. Langsam drehte sie sich um und blickte etwas ratlos in Richtung der Tankstelle. Mir wurde wieder heiss und kalt als ich ihr Gesicht sah, anscheinend hatte es mich doch heftiger erwischt als ich mir eingestehen wollte. Langsam ging sie auf die Eingangstüre zu. Nach wenigen Augenblicken hatte sie Ihr Ziel erreicht und öffnete die Türe. Mit zielsicheren Schritten ging sie direkt zur Theke und sprach die Angestellte an. Diese stellte Ihr nach wenigen Sekunden ein altes Telefon auf die Theke. Sandra wählte eine Nummer, vermutlich die einer Taxizentrale, ich sollte es nie erfahren. Nachdem sie die letzte Ziffer mit der alten Wählscheibe gewählt hatte drehte sie sich um und lehnte sich lässig, mit einem bewusst aufgesetzt, gelangweilten Gesicht gegen die Theke. Diesen Ausdruck behielt sie aber nur wenige Sekunden, ihr Blick hatte mich gestreift. Ihre Augen wurden gross und langsam lies sie den schwarzen Hörer sinken. Völlig perplex blickte sie mich an und war anscheinend keiner Regung mehr fähig. Automatisch nahm ich nun betont gelangweilt die Kaffeetasse in die Hand und prostete ihr zu. Soviel Coolness hätte ich von mir selbst am wenigsten erwartet, aber anscheinend war mein Unterbewusstsein oder irgend ein Instinkt schneller als ich selbst gewesen. Endlich konnte sie den Hörer wieder zurück auf die Gabel legen. Langsam kam sie auf meinen Tisch zu. "Willst Du auch ein Hörnchen? Sind ausgezeichnet." Schon wieder. Seit wann war ich so schlagfertig? Diese Rolle gefiel mir, besonders nachdem mir ihr fassungsloser Gesichtsausdruck auffiel. Langsam lies sie sich auf einen Sessel sinken, aus ihrem Gesicht war jedwelches Blut gewichen. Nun ritt mich Der Teufel, was hatte ich auch schon zu verlieren? "Fräulein? Bringen sie bitte der Dame doch dasselbe wie mir??" Ich schrie die Bestellung fröhlich durch das Kaffee, nahm genüsslich einen Schluck aus meiner Tasse und biss in mein Hörnchen. Ich genoss meine fünf Minuten des Ruhmes, länger würden sie wohl nicht anhalten. Wie recht ich hatte. Sandra räusperte sich umständlich und setzte dann mit heiserer Stimme zum Sprechen an. "Äh....ich bin Dir wohl...äh..eine Erklärung schuldig....?" Ihr Gesicht hatte sich innert Sekunden ins Purpurrote verwandelt. Uninteressiert blickte ich aus dem Fenster. "Ich weiss, ich benehme mich völlig daneben." Ihre Stimme klang nun etwas fester. "Bestimmt hat Dich mein Benehmen...äh...verwirrt, oder gar verletzt." Das ging runter wie Öl. "Leider war es...irgendwie nicht zu verhindern. Leider kann ich Dir nicht, oder noch nicht erklären, warum ich Dich in diese Situation gebracht habe. Ich...äh...." Sie kam ins Stottern und fand anscheinend keine Worte mehr. Eigentlich hatte ich vorgehabt, Ihr meine Meinung über Ihr Benehmen ins Gesicht zu sagen, doch leider musste ich den ganz Abgebrühten spielen. Was für ein fataler Fehler. Was war ich nur für ein Idiot! Die fünf Minuten Ruhm hatten mir anscheinend jegliches normale Denken verunmöglicht. "Wovon sprichst Du? Welches Benehmen meinst Du denn? Du bist mir keine Rechenschaft schuldig." Mit erneut grossen Augen blickte sie in die meinen und wollte etwas erwidern, war dazu aber nicht imstande. Ich bemerkte wie sich ihr Gesichtsausdruck dramatisch änderte. Die Enttäuschung über meine Antwort war regelrecht hinein gemeisselt. Ruckartig erhob sie sich, warf dabei fast der erschrockenen Bedienung das Tablett mit dem Frühstück aus der Hand und rauschte davon. An der Tür blickte sie sich noch einmal um, setzte zum Sprechen an, schüttelte dann aber den Kopf, öffnete die Tür und ging. Ich hätte schwören können eine Träne in ihrem Gesicht gesehen zu haben. Einen grösseren Trottel als mich gab es wohl auf Mutter Erde kein zweites Mal. Was hatte ich nur getan? Ich hatte alles, was auch immer da gewesen war, zerstört. Mit nur einem blöden, unüberlegten Satz hatte ich es geschafft! Nein, ich musste retten was zu retten war. Stolz zur rechten Zeit hatte seine Berechtigung, nun war aber etwas anderes angesagt. Reue! Ich sprang ebenfalls auf und die immer noch verdutzt da stehende Kellnerin konnte diesmal nicht mehr ausweichen. Das Tablett wirbelte samt Kaffeetasse, ein paar Hörnchen und Kanne durch die Luft und fand wenige Sekundenbruchteile später sein trauriges Ende auf dem Fussboden. Beim Aufschlagen des Geschirrs war ich bereits bei der Türe und riss diese auf. Sandra konnte noch nicht weit sein. Einen Wagen hatte sie ja anscheinend nicht hier, und zu solch früher Stunde waren Kunden an der Tankstelle rar. Ich rannte wie ein Irrer auf dem Gelände herum, ohne sie jedoch zu entdecken. Sie konnte doch nicht schon mit jemandem weg gefahren sein? Plötzlich hörte ich aufgeregtes Stimmengewirr, anscheinend von der Rückseite des Gebäudekomplexes welche aufs offene Land führte. Ich ging den Lauten nach und schritt langsam die schmale Gasse zwischen Tankstelle und einem Schuppen hindurch. Nun waren die Stimmen bedeutend lauter. Anscheinend handelte es sich, den unschönen Worten nach zu urteilen, um eine ernsthafte Auseinandersetzung. Ich blickte um die Ecke und das Blut schien in meinen Adern zu gefrieren. Mit dem Gesicht zu mir gewandt stand Sandra etwa 10 Meter von mir entfernt. Wieder waren ihre schönen Augen geweitet, diesmal jedoch stand nackte Angst in ihnen. Sofort wurde mir auch klar warum: Ihr gegenüber, mit dem Rücken zu mir gewandt, stand ein Kasten von einem Kerl, anscheinend Arnold Schwarzeneggers Zwillingsbruder. Er hatte eine grosskaliberige Pistole in seiner Hand. Der Lauf zielte direkt auf Sandras Kopf. Was war nur los? Warum geriet ich seit dem Zusammentreffen mit Sandra dauernd in solch filmreife Szenen? Nun war guter Rat teuer. Was taten die Filmhelden in einer solch ausweglosen Situation? Ich konnte nicht lange überlegen, der Kerl konnte jeden Augenblick abdrücken. Langsam, bemüht kein Geräusch zu machen zog ich mich in die Gasse zurück. Mit gehetztem Blick betrachtete ich das Chaos das sich an den Gebäudeseiten sammelte. Alte Auspuffrohre lagen unter verrosteten Heizkörpern, Autoreifen, halben Motoren und anderem Schrott. Zum Telefonieren war keine Zeit, und bis die Polizei hier sein könnte, wäre es zu spät. Wieder schwollen die Stimmen hinter mir an. Unter meiner Schuhsole spürte ich einen harten Gegenstand. Ich blickte zu meinen Füssen und bemerkte, dass ich auf einem massiven, ebenfalls verrosteten Metallteil stand. Vermutlich handelte es sich dabei um eine Antriebswelle oder so was. Mich interessierte nur, dass ich das schwere Ding ohne Lärm zu verursachen vom Boden aufheben konnte. Mit dieser, nicht ungefährlichen Waffe, schlich ich mich wieder nach hinten. Die beiden standen immer noch in der selben Stellung da, Sandra inzwischen kalkweiss im Gesicht. Der Hahn der Pistole war nun gespannt, die Muskeln und Sehnen am Arm des Kerls standen dick hervor. Jeden Augenblick konnte er abdrücken! Anschleichen oder mit Karacho auf den Kerl los? Ich entschied mich für zweites. Mit einem animalischen Schrei sprang ich auf den wenige Meter entfernten Kontrahenten los, die Antriebswelle schlagbereit über dem Kopf aufgezogen. Leider hatte ich nicht bemerkt, dass sich eine alte Wäscheleine um meinen einen Fuss gewickelt hatte. Durch meinen Schrei aufgeschreckt drehte sich der Koloss natürlich sofort zu mir um. Mit ihm seine Waffe die nun auf mich zielte. Die folgende Sekunde spielte sich plötzlich im Zeitlupentempo ab. Ich hörte das ohrenbetäubende Krachen des Schusses als der Kerl die Waffe, vermutlich aus lauter Schreck, abfeuerte. Im selben Augenblick wurden die Füsse unter mir weggerissen. Die schwere Welle entglitt meiner Hand und segelte durch die Luft. Die Kugel die an meinem Ohr vorbei sauste nahm ich nur im Unterbewusstsein war. Unsanft landete ich auf dem Boden und vernahm noch im Fallen ein schreckliches, klatschendes Geräusch. Danach musste ich, nun zum zweiten Male, bewusstlos geworden sein.
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